GardaTrek, Manchmal kann ein Sturz ein Leben retten – Rifugio Altissimo part II Garda Trek Outdoor

GardaTrek, Manchmal kann ein Sturz ein Leben retten – Rifugio Altissimo part II

Mai 25, 2017 8:37 am

 

Manchmal kann ein Sturz ein Leben retten – Rifugio Altissimo II

Jetzt ist alles anders. Ich bin zwar noch immer egozentrisch und ich würde noch immer alles tun, damit die Leute über mich reden (ich habe im Kilt geheiratet – nur so um ein Beispiel zu nennen), aber jetzt kann ich mit meinem Ego umgehen. Manchmal wenn ich spazieren gehe, hatte ich das Gefühl mein Ego läuft neben mir her: es schaut mir in die Augen und fordert mich heraus.

Am Anfang wurde ich sauer und mein Ego wurde noch stärker, aber ich habe gelernt, dass es so nicht läuft. Heute versuchte ich mein Ego lieb zu haben, mit ihm zu sprechen und versuche auf seine Bedürfnisse einzugehen und seitdem ist es nicht mehr so stark. Ich nehme mein Ego in den Arm und es wird immer kleiner. Vom grossen, starken Mann wird es zum Kind und danach halte ich es in der Hand.

Es wird immer keiner, bis ich es in meiner Tasche verschwinden lassen kann. Es wird sicherlich nie ganz verschwinden, denn es ist ein Teil von mir, aber ich habe gelernt es zu steuern und lasse mich nicht mehr von ihm steuern. Hierher bin ich gekommen, nachdem ich über Jahre an mir gearbeitet habe. Es kam nichts von heute auf morgen. Am Anfang war ich depressiv, es war unmöglich mir nahe zu sein.

Ich habe Beziehungen in die Brüche gehen lassen (ich habe zwei Kinder mit zwei Frauen) und habe eine richtige “Scheißzeit” durchgemacht. In der ganzen Zeit ging es immer mal wieder bergab und bergauf. Es gab nie eine Zeit in der ich gesagt habe: “Ok, geschafft.” Ich war ganz unten und ganz langsam bin ich wieder aufgetaucht.

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Mein Unfall war für mich im Nachhinein ein Grund Erwachsen zu werden, er war fast ein Segen, eine Sache die mir im weitesten Sinn das Leben gerettet hat. Und das gilt für alle kleinen und grossen Hürden im Leben. Wenn man das Schicksal annimmt, dann muss man es auch in die Hand nehmen und zu seinem eigenen Vorteil agieren.

Ein gutes Beispiel ist auch mein Freund Gianni, der von 18-55 Jahren als Buchhalter gearbeitet hat und einfach keine Lust mehr hatte. Ich habe ihm angeboten hier für mich zu arbeiten und heute kocht er Marmelade ein und ist endlich wieder glücklich. (Auch wenn wir ein kleines Problem mit der Genehmigung haben… denn wir dürfen die Marmelade eigentlich nicht in unserer eigenen Küche herstellen.)

Ausser meines eigenen Weges, den ich ja nun einmal gehen musste, kann ich heute sagen, dass ich mich endlich jemandem Nahe fühle: Eva, meine Frau, die mich unterstützt und alles für mich tut und mit der ich zusammen alle Probleme lösen kann. Mit ihr an meiner Seite kann ich mir auch eingestehen, dass ich mich unsicher fühle und machmal Angst habe. Früher hat es die Angst nicht gegeben oder besser gesagt ich konnte sie gegenüber den anderen und mir selbst nicht zugeben.

Meinen Kinder will ich lehren sich selbst zu lieben und sich so zu akzeptieren wie sie sind: denn das was ich tat, in dieser Art und Weise zu klettern und immer wieder das Leben zu riskieren, zeugt nicht davon sich selbst zu lieben. Eine Übung die ich nach dem Unfall immer wieder gemacht habe, war mich selbst im Spiegel anzusehen und mir selbst zu sagen: “Danny – ich hab dich lieb!” Es war so unglaublich schwierig, denn eigentlich gestand ich mir so ja meine eigenen Schwächen ein. Das gleiche tue ich heute auch mit Eva, die ich genauso liebe wie sie ist.

Mit dieser Einstellung, werden die Schwächen die nunmal jeder hat, nicht mehr zu einem Problem. Und auch alle anderen Problem werden immer kleiner und kleiner… Ich darf keine Marmelade in meiner Küche herstellen? Kein Problem, dann stelle ich sie eben draussen her! Problem gelöst..

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Jetzt kann ich über meine Schwächen sprechen. Nicht nur mit meiner Frau, sondern auch mit allen anderen. Ich schäme mich nicht mehr, mir Sachen einzugestehen und darüber zu reden. Das Gleiche gilt natürlich auch für die positiven Aspekte im Leben, wie zum Beispiel, dass ich sicher bin meinen Beruf sehr gut zu machen. Einmal auf einer Tagung mit anderen Betreibern der lokalen Almen, sah ich meine Kollegen wie sie sich Notizen machten, zuhörten und darüber sprachen, wie man am Besten eine Brotzeit präsentiert, wie man seine Gäste behandeln soll und wie man mehr Geld verdienen kann. Als ich dann an der Reihe war zu erzählen, fiel mir nichts ein und ich sagte ihnen das ich nie dachte, dass ich gut in meinem Job sei, aber das ich hier nur vom Mittelmass umgeben war. Alle applaudierten mir!

In Trentino haben wir einen fantastischen Ausgangspunkt, aber wir sind alle nur mittelmässig, denken jedoch das wir Genies sind. Wir sind es gewohnt reich an Geld und der Schönheit der Natur zu sein, das Leben hier ist leicht und das bringt uns dazu komplett die Fantasie zu verlieren. Mit diesem Verhalten habe ich mir eine Menge Feinde gemacht, aber das interessiert mich nicht: einige sagen ich bin der beste Betreiber einer Alm, die anderen sagen ich bin der schlechteste. Mich interessiert nur, dass ich es gut mache. Die Alm ist nicht im SAT Stile (SAT ist die Organisation der die Altissimo Alm gehört), ich weiss, denn sie ist so wie sie mir gefällt. Die Knödel werden nicht nach der lokalen Tradition zubereitet, sondern wie sie mir schmecken. Wo ist denn das Problem, wenn sie doch auch meinen Gästen schmecken?

Ein anderes Beispiel ist, dass ich jedes Kind das in meine Alm kommt darum bitte ein Bild zu malen, das ich dann zu allen anderen an die Decke des Speisesaals hänge. Die Kinder fühlen sich so als Teil von etwas Besonderem und haben eine Mission. Da gibt es Leute die nach Jahren einmal wiedergekommen sind und ihr Bild hing noch immer an der selben Stelle und sie waren zu Tränen gerührt. Inzwischen weiss wirklich jeder hier von diesem Ritual. Die SAT möchte jedoch, dass ich die Bilder abnehme da die Alm so nicht dem Standrad entspricht.

Aus der letzten Versammlung mit der SAT bin ich herausgegangen wie damals aus der Schule. Es ist nichts schlimmes passiert, aber ich fühlte mich einfach nicht dazugehörig, fast schon fehl am Platz. Hier oben habe ich 17 wunderschöne Jahre meines Lebens verbracht, aber in letzter Zeit habe ich viele Frustrationen einstecken müssen und ich weiss einfach nicht wie lange ich diese Situation noch aushalte.

Rifugio Altissimo

Danny Zampiccoli war für 17 Jahre der Betreiber des Rifugio Damiano Chiesa auf dem Monte Altissimo. Einer der beliebtesten Anlaufpunkte für Ausflügler und Biker am Gardasee in Trentino und die letzte Etappe des Top Loop Garda Trek.

Seine starke Personalität, seine Sympathie und seine wundervolle Art seine Gäste zu empfangen, haben aus dieser Alm eine Anlaufadresse für alle Liebhaber der Berge und der Abende in guter Gesellschaft gemacht.

Seit diesem Jahr ist Danny nicht mehr der Betreiber der Alm auf dem Gipfel des Monte Altissimo, sondern die junge Eleonora Orlando, der wir an dieser Stelle viel Glück für dieses neue Abenteuer wünschen.

Ein grosses Dankeschön an Danny, für die tolle Arbeit die er hier in den letzten Jahren geleistet hat. Auch ihm wünschen wir alles Gute und immer neuer Herausforderungen und Genugtuungen.


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